Problem

Unter bestimmten Voraussetzungen (Beispiel) kann es passieren, dass eine Windows-Installation bzw. dessen Partition zusammen mit einem MBR-Layout formatiert wurde. Dies passiert vor allem bei “älteren”1 Computern oder wenn UEFI explizit abgewählt wurde. Der Hintergrund dabei ist: Unterstützt(e) der Computer kein UEFI (bzw. nutzt also den legacy BIOS-compatible mode), dann kann nur ein Betriebssystem mittels MBR gestartet werden. Erst der UEFI mode ermöglicht die Verwendung von EFI-Partitions und damit eben das Nutzen des GPT-Layout (Bestandteil von UEFI-Standard). Andersherum erlaubt aber die Kompatiblität stets, dass man auch im UEFI-Modus weiterhin MBR-Layouts nutzen kann.

Einschub: Auf detaillierte Antworten der offensichtlichen Frage “Was ist denn der Unterschied zwischen MBR und GPT?” möchte ich hier nicht im Detail eingehen. Da gibt es genügend gute Antworten. Prinzipiell sind beides “Tabellen” und beschreiben Metadaten der konfigurierten Partitionen. Zudem gehört ein Bootloader dazu, der dann die eigentlichen Betriebssysteme oder deren Bootloader anstartet. GPT erhöht hier vor allem die (primären) Partionenzahl und unterstützt auch Medien mit mehr als 2 TB (bzw. kann von einer Partion innerhalb von 2TB starten). Der wesentliche Unterschied ist dabei, dass dieser Bootloader in einer eigenen EFI-Partition abgelegt wird. GPT ist MBR (sic!), aber eben noch mehr.

Situation

  • Apple MacBook Pro (Intel, Thunderbolt 3)
  • Windows-Installation auf externer SSD (via USB-C)

Im konkreten Fall war es meine Boot Camp-Installation, welche damals aus heutiger Sicht ungünstig konfiguriert wurde: Im Falle von Macs wird immer eine EFI-Partition benötigt, so dass WinToUSB ein MBR-Layout, EFI-Partition und Windows-Partition angelegt hat. Für Windows 10 1803 ff. war dies auch kein Problem. Aber mit Windows 10 1909 (oder 1903) änderte sich das: Seitdem erzwingt Windows ein GPT-Layout oder verweigert ein Upgrade einer vorhandenen MBR-Installation. Daher “durfte” ich keine Windows 10 Upgrades mehr durchführen. Immerhin gibt Windows auf expliziter Nachfrage preis, warum denn ein Upgrade nicht funktioniert. Seit Monaten wurde ich dann auch gewissenhaft durch zahlreiche Notifications bei jedem Windows-Boot das drohende Update-Problem hingewiesen…

(Vermutung meinerseits ist, dass sich die Kombination aus UEFI-System (der Mac), MBR, EFI-Partition eine unbekannte Situation seitens des Installiers ergab.)

Lösung

Nun gibt es zahlreiche Anleitungen, wie man das Layout ändern können soll:

Die Variante diskpart hat den Nachteil, dass dies mit einem Datenverlust einhergeht.

Bereits letztes Jahr hatte ich zudem auch alternative Partition-Manager ausprobiert, dies führte aber zu keinem sinnvollen Ergebnis. Die Software-Lösungen hielten jedoch nicht, was sie versprachen (sofern möglich im Trial-Mode) oder führten zu Problemen.

mbr2gpt gibt es seit Anfang 2018 (siehe Microsoft Docs), hatte aber interessanterweise bis 2019 nicht funktioniert2. Nachdem ich aber die Tage nochmals auf den letzten Link aufmerkmsam gemacht wurde, habe ich es nochmal ausprobiert: Siehe da, nach wenigen Sekunden war die 1 TB-SSD umgestellt.

Prinzipiell ist die Handhabung – abgesehen von der Verwendung von Sicherheitsnetzen wie Backups, UEFI-Kompatibilität-Check u.ä. – eigentlich einfach:

  1. Shell mit Admin-Rechten öffnen.
  2. mbr2gpt /validate /allowFullOS prüft
  3. mbr2gpt /convert /allowFullOS führt die eigentliche Konvertierung aus.

Im konkreten Falle meiner Boot Camp-Installation führt dies (natürlich) zu einer (weiteren) EFI-Partition:

  1. Die originale und bisherige EFI-Partition (erstellt durch WinToUSB, erforderlich bei Mac);
  2. die Windows-Partition (leicht verkleinert)
  3. die neue EFI-Partition (von Windows);
  4. und schließlich noch ein ein guter GB freier Platz.

Das Boot-Menü zeigt nun auch drei Einträge: macOS, EFI, EFI. Glücklicherweise hatte ich ein Custom-Icon konfiguriert, so dass die neue EFI-Partition einfacher zu erkennen war. Die alte EFI-Partition ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr benutzbar und führt zu einem frühen Boot-Bluescreen.

Fazit

Möglicherweise wurde mbr2gpt mittlerweile aktualisiert bzw. meine lokale Situation – also ein externe USB-SSD – war nicht im Support (Changelog?). Aber Stand (Ende) 2020 ist nun, dass die Konvertierung (schnell) funktioniert. Das Update auf Windows 10 2004 war problemlos möglich. Außerdem konnte ich beobachten, dass jetzt auch der gewünschte Pre-Select auf Windows wieder funktioniert3.

Das aktuelle Partition-Layout hat eventuell noch Potenzial:

  • Die alte EFI-Partition wird von Windows als Laufwerk F: eingehangen. Eigentlich sollte man diese löschen können. Der daraus entstehende, freie Platz von 100 MB muss dann (umständlich) in die nächste Windows-Partition gemerged werden. Aufwand/Nutzen?
  • Die neue EFI-Partition ist nun “kurz am Ende” der SSD, was aber erstmal kein technisches Problem ist.
  • Abschließend (hinter der EFI-Partition) ist noch freier Platz, möglicherweise hält sich aber auch Windows selber da was frei (Recovery-Mode?).

  1. UEFI/EFI ist in Varianten bei Apple Macs seit der Einführung von Intel genutzt (also seit 2006), in der PC-Welt aber in den letzten Jahren auch vermehrt zu finden und dürfte mittlerweile auch dort als Standard/Default gelten. ↩︎

  2. Leider weiß ich nicht mehr, ob es mit einer Fehlermeldung quittiert wurde oder ob die Windows-Installation nicht mehr startfähig war… ↩︎

  3. Falls die externe SSD mit Windows angesteckt ist, dann bootet der Mac automatisch in Windows, andernfalls normal in macOS. Das erspart immer das rechtzeitige Drücken von Alt beim Booten. Vor allem beim Upgrade auf Windows 10 2004 waren dies verdammt viele Reboots… ↩︎